"Afrika-Konferenz"

Weitere Hamburger Kolonial-Kaufleute: www.afrika-hamburg. de/globalplayers1.html .
In allen Hamburger Stadtteilen finden sich koloniale Bezüge. Sie reichen weiter zurück als in die Zeit reichsdeutscher Kolonialherrschaft, die im Jahr 1884/85 begann, und sie führen bis hinein in die Gegenwart. Bis heute werden sie jedoch vom „offiziellen“ Hamburg – von der Bürgerschaft, dem Senat, den Bezirken, der Hamburg Marketing GmbH – ignoriert, verklärt, verdrängt oder gar nostalgisch als „Marke“ restituiert und wiederbelebt.

In Hamburg gibt es keinen Ort postkolonialen Gedenkens. Keine Straße, kein Denkmal, kein Platz oder Park ist postkolonialer Erinnerung gewidmet. Deshalb fordern das Eine Welt Netzwerk Hamburg und das Projekt afrika-hamburg.de vier wichtige Veränderungen in der Hansestadt.

Forderungen

  • Hamburg braucht einen zentralen Ort des postkolonialen Erinnerns verbunden mit dezentralen Erinnerungsorten in den Stadtbezirken!
  • Hamburg braucht eine Markierung postkolonialer Gedächtnispunkte, etwa durch Texttafeln an Gebäuden und Denkmälern!
  • Hamburg braucht eine Debatte über den Umgang mit kolonialen Straßennamen! Sollen sie umbenannt – etwa nach AkteurInnen und Orten antikolonialen Widerstands – oder kommentiert werden?
  • Hamburg braucht bei der Debatte um postkoloniales Erinnern die Zusammenarbeit mit People of Colour in unserer Stadt und international! Diese soll erleichtert und gefördert werden.

Anlass für das Anliegen des Eine Welt Netzwerks Hamburg und des Projekts afrikahamburg.de ist der Abschluss der so genannten „Afrika-Konferenz“ in Berlin vor 125 Jahren. Am 26. Februar 1885 hielt der Gastgeber Bismarck das Schlussdokument in den Händen: Darin „legitimierten“ sich die Großmächte, den Kontinent Afrika – bis auf die Länder Liberia und Äthiopien – in Kolonien aufzuteilen, soweit dies nicht schon geschehen war. AfrikanerInnen waren zur „Afrika-Konferenz“ nicht eingeladen.

Bedenkenlos und ohne Sensibilität

Das Verhalten der Stadt Hamburg zeigt, dass sie auch im 21. Jahrhundert keine Sensibilität für den postkolonialen Hintergrund der Hansestadt entwickelt hat. Bedenkenlos errichtete sie ein Denkmal für den Menschenhändler Heinrich Carl von Schimmelmann, der im 18.Jahrhundert mit dem Verkauf von Menschen als Sklaven im transatlantischen Dreieckshandel reich wurde. Ohne Sensibilität benennt sie neue Straßen, Häuser und Plätze in der neuen Hafencity nach Eroberern und lukrativen Kolonialwaren.

"Diese Ignoranz ist peinlich für eine Stadt, die Weltmetropole sein will und in der Menschen aus allen Kontinenten leben“, sagt Anneheide von Biela, Geschäftsführerin des Eine Welt Netzwerks Hamburg. Auch die Künstlerin Hannimari Jokinen und der Historiker Gordon Uhlmann vom Projekt afrika-hamburg.de kritisieren diese Geschichtsvergessenheit: „Diese Situation ist beschämend.“
Sie weisen darauf hin, dass in dem Bemühen, die Speicherstadt und das Kontorhausviertel als Weltkulturerbe anerkennen zu lassen, die Hamburger „Kaufmannstugenden“ beschworen werden. Deren kolonialwirtschaftliches und -politisches Vorgehen sei aber oft alles andere als „ehrbar“ gewesen, so Jokinen und Uhlmann.

Straßenumbenennung in Berlin

Am Samstag, 27. Februar 2010 organisierte dort ein großes Aktionsbündnis einen Gedenkmarsch für die afrikanischen Opfer von Sklavenhandel, Sklaverei, Kolonialismus und rassistischer Gewalt. In dem Bündnis sind auch das Eine Welt Netzwerk Hamburg und das projekt afrika-hamburg.de aktiv. Am gleichen Tag fand auch ein Festakt zur Umbenennung des Gröbenufers in May Ayim-Ufer statt. Mehr Information: www.berliner-afrika-konferenz.de